Suchterkrankungen kommen bei Tierärztinnen und Tierärzten genau so häufig vor wie in der Gesamtbevölkerung, wenn nicht öfter. Sie kollidieren als unbehandelte Krankheitsbilder mit den hohen Ansprüchen, die an die Ausübung des tierärztlichen Berufes vornehmlich unter dem Gesichtspunkt der Schutzinteressen des Patienten zu stellen sind. Oft offenbart aber erst ein eingetretener Behandlungsfehler das Ausmaß des Problems, zumal zur Suchterkrankung gehört, dass die Selbstwahrnehmung getrübt ist und in der Regel viele Jahre vergehen, ehe angemessene Diagnostik und Therapie greifen. Die Betroffenen und ihre unmittelbare familiäre- aber auch berufliche Umgebung befinden sich dabei oft in einer unheiligen Allianz, in der sich die Abwärtsspirale langsam aber stetig fortsetzt.
Ziel der Tierärztekammer ist es, das Problem der Suchterkrankungen nicht beiseite zu drängen, sondern offensiv anzugehen. Sie stellt sich dabei ihren ordnungspolitischen Aufgaben sowie ihrer Fürsorgepflicht für ihre Mitglieder. Dazu ist sie angewiesen auf die Kooperationsbereitschaft des Patienten, die idealerweise damit beginnt, dass sich ein betroffenes Kammermitglied selbst bei der Kammer meldet, um die Hilfestellung des eigens dazu entwickelten Interventionsprogramms der Tierärztekammer zu nutzen.
Der Weg über die Veränderungsbereitschaft bis hin zur Suchtmittelabstinenz ist mühevoll und bedarf, um ausreichend durchgreifend stattzufinden, in der Regel einer klinisch-stationären (Eingangs) Therapie. Letztlich ist das Vorgehen jedoch vom Einzelfall abhängig und muss ausführlich erörtert werden. Die Wiederherstellung und der Erhalt der Gesundheit und die Wahrung der Patienteninteressen stehen im Vordergrund.
Das Motto „Hilfe statt Strafe“, auf das das Interventionsprogramm der Bundesärztekammer aufbaut, hat im Bereich der Ärztekammern eine positive Bilanz aufzuweisen. Dies ermutigt uns als Tierärztekammer Westfalen-Lippe ausdrücklich, Sie als Betroffene oder als Ratsuchende im Kontext von Suchterkrankungen aufzufordern, der Tierärztekammer das Vertrauen zu schenken, um gemeinsam einen Weg zu suchen, wie sich der sonst oft deletäre Endpunkt der Entwicklung einer Krankheit vermeiden lässt.
Hinweise zum Verfahren werden hier als Download zur Verfügung gestellt:
Hinweise zum allgemeinen Verfahren der Betreuung suchtkranker Kammermitglieder (PDF-Dokument) http://www.tieraerztekammer-wl.de/downloads/verf_hinw_suchtkranke.pdf
Ablaufschema zum Suchtinterventionsprogramm (PDF-Dokument) http://www.tieraerztekammer-wl.de/downloads/ablaufschema_sucht.pdf
Freiwillige Vereinbarung (PDF-Dokument) http://www.tieraerztekammer-wl.de/downloads/freiw_vereinbarung.pdf
oder können bei der Geschäftsstelle angefordert werden.
Weitere Informationen können Sie auch unter www.asahilfe.de abrufen.
|